Geschichtsforum Aufbruch 89 Die Zeitung zum Geschichtsforum 1989 -
  2009. Europa zwischen Aufbruch und Teilung

 

Schule in der DDR

Von Sophia (12), Charlotte (12), Luise (13)

Krankenschwesterausbildung in Nordhausen (Thüringen), die erste Stunde bei einem völlig unbekannten Lehrer: Der Lehrer beginnt die Stunde damit, dass alle Schüler sich melden müssen, die zur christlichen Kirche gehören. Anna musste aufstehen – eine sehr unangenehme Situation, weil sie von diesem Moment an in ihrer Klasse eine Sonderrolle spielte, ohne es zu wollen.

Die heute 47-jährige Anna ist Teilnehmerin unseres Zeitungsprojektes, in der DDR aufgewachsen und zur Schule gegangen. Am Freitag, dem zweiten Tag des Kongresses, besucht sie mit uns zusammen eine Veranstaltung zur Schule in der DDR mit dem Titel „Museumswerkstatt zur DDR-Schule vor der Wende“.

Pausenmilch aus dreieckkigen Tüten

In einem Bildervortrag werden Fotos von Volker Döring zum DDR-Schulalltag gezeigt. Volker Döring arbeitete neun Jahre als Lehrer in einer DDR-Schule, wurde dann arbeitsunfähig und entschloss sich dazu, statt selbst zu unterrichten, das Geschehen in der Schule zu dokumentieren. Es gelang ihm, dass die Schüler ihn während des Unterrichts einfach ignorierten und so sind uns die Schwarz-Weiß-Fotos sehr lebensnah vorgekommen. Man hat ein bisschen DDR-Feeling mitgekriegt. Schüler trinken Pausenmilch aus dreieckigen Trinktüten. Es ist für die Schüler cool, mit bedruckten Plastiktüten zur Schule zu kommen: Die bedruckten Plastiktüten werden von den Lehrern umgekrempelt, damit man den Aufdruck nicht mehr sieht.

 Auch sonst ist individuelles Verhalten nicht gefragt. Es laufen keine Kinder mit verschiedenen Interessen, Vorlieben und Begabungen durch die Stadt, sondern Jungpioniere und FDJ- Mitglieder. Als wir zum Ende des Workshops zwei ehemalige DDR-Schultaschen auspacken dürfen, kommen uns die Aufsätze von den DDR-Schülern eher auswendig gelernt vor, als selbst geschrieben: „Viele Kinder in unserer Klasse sind stolz auf ihr blaues Halstuch. Alle Kinder lernen gut und helfen einander.

Pioniere überall

“ Wir schlagen ein Musikbuch auf und die ersten Titel lauten: „Der kleine Trompeter“, „Die kleine weiße Friedenstaube“ und „Pioniere voran“. Das nächste Buch: Heimatkunde 3. Klasse. In der ersten Aufgabe wird gefragt: „Mit welchem Hilfsmittel finden sich die Pioniere in der Stadt zurecht?“. Im Lesebuch für Deutsch wird über Heldentaten der Pioniere und sowjetischen Soldaten erzählt und sogar im Mathebuch und im Biologiebuch tauchen Soldaten auf. Selbst der Nikolaus kommt nicht nach christlicher Art am 6. Dezember, sondern anlässlich des Pioniergeburtstages am 13. Dezember.

Kein Wunder also, dass Anna sich mit ihrer Kirchenzugehörigkeit nicht besonders beliebt machte – ebenso wenig wie die 49jährige Claudia, die – bloß weil sie katholisch war – von ihren Lehrern in Diskussionen isoliert wurde und kein Abitur machen konnte. So verhinderte die Schule (die ja eigentlich auf eine Berufsausbildung vorbereiten soll), dass sie sich ihren Traum verwirklichen konnte, Medizinerin zu werden.

Lernen...

Ranzen I

Liederbuch

Ranzen II

Lektüre

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