Interviews mit Kongressbesuchern
Samstag Vormittag, dritter Tag des Kongresses. Unser Kinder- und Jugend-Reporterteam befindet sich auf dem Uni-Campus: Eine große Wiese, um die Wiese herum weiße Zelte, in denen verschiedene Veranstalter ihre Projekte vorstellen und Infomaterial verteilen.
Wir wollen Interviews mit Kongressbesuchern führen. Es ist anfangs recht leer auf dem Platz und schwierig, überhaupt Gesprächspartner zu finden. Später, gegen Mittag füllt sich der Campus, so dass wir viele Gespräche führen können.
Wir möchten von ihnen wissen, warum sie hierher gekommen sind und inwiefern sie mit der Mauer zu tun hatten. Viele interessieren sich vor allem für das Politische und fast alle verbinden mit dem Mauerfall eine besondere Geschichte.
Dr. Hubertus Cedeno kommt aus einem anderen Land, in dem nach seinen Worten vor ein paar Jahren eine Art „DDR-Experiment“ durchgeführt wurde. Er war damals in einer deutschen Schule, in der er sich mit seinen Mitschülern und Lehrern während der Zeit des Mauerfalls über die DDR unterhalten hat. Am spannendsten fand er das Thema der Stasi. Heute wohnt er selbst in Berlin und kommt in der Stadt sehr gut zurecht.
Herr Erbe (67) ist zum Kongress gekommen, weil er geschichtlich sehr interessiert ist. Am Ende des 2.Weltkrieges flüchtete er mit seiner Familie in den Westen und ließ sich in Braunschweig nieder. Am 9. November 1989 schaute er sich dieses Ereignis voller Freude mit seiner Frau im Fernseher an.
Katrin Hammerstein lebte während der Wende in Heidelberg. Als die Mauer fiel, war sie 11 Jahre alt, und ihre Eltern waren von dem Mauerfall sehr bewegt, obwohl sie ja weit von der Mauer weg lebten. Bekannte von ihnen fuhren mit dem Auto extra nach Berlin nur um mit Freunden den Mauerfall zu feiern.
Herr Dr. Schönemann (75) ist in Ost-Berlin geboren und aufgewachsen. Seine ganze Familie lebte dort, nur seine Kollegen waren nach dem Mauerbau plötzlich auf der anderen Seite. Sie konnten ihn besuchen, er aber sie nicht. Nur bei runden Geburtstagen (20, 30, 40, …) durfte man als Verwandter von Ost nach West. Also machten sie aus einer West-Bekannten eine angebliche Cousine seiner Frau. Als schon alles geplant und vorbereitet war, kam die „Cousine“ zu Besuch und der Ausflug in den Westen hatte sich erledigt.
Miriam Neuman (26) ist keine gewöhnliche Besucherin, sondern macht eine Radio- und Fernsehsendung über den Kongress. Sie war in der ersten Klasse, als die Mauer geöffnet wurde und wohnte im Osten ganz nah an der Mauer. Sie war sehr gespannt, wie es auf der anderen Seite zuging. Am Samstag nach dem Mauerfall schwänzte sie die Schule, um einen Ausflug in den Westen zu machen. Doch sie war enttäuscht vom Westen, weil es dort fast genauso aussah, wie bei ihnen zu Hause. Und dann bekam sie auch noch Ärger von ihrem Lehrer: Dem nämlich gefiel es ganz und gar nicht, dass sie Schule geschwänzt hatte.
Und dann treffen wir noch einen Passanten, der eigentlich ins Museum wollte und vom Kongress gar nichts wusste. Herr Schmidt (56) lebte früher in der DDR und fand sie NUR schlecht. Für ihn gab es keine Vorteile. Er gehörte zu einer Minderheit, da er der Kirche angehörte. Er war ein Außenseiter. Seit die Mauer fiel, geht es ihm sehr gut. Er reist viel, liest was er will und kann machen, was ihn interessiert.
Durch das Gespräch mit uns hat er nun auch Interesse an der Veranstaltung und wird sich gleich etwas umsehen…